Der Markt und seine Meinung

«Der Markt», so heisst es dieser Tage oft, knöpfe sich die Länder an der europäischen Peripherie der Reihe nach vor: erst Griechenland, dann Irland, nun werde an Portugal und Spanien gekratzt. Die Formulierung impliziert, dass «der Markt» ein Akteur ist, einen Willen hat und eine Strategie. De facto hat «der Markt» kaum «eine Meinung», sondern wegen seiner atomistischen Struktur sehr viele. Trotz der Vielzahl von Ansichten gibt es allerdings immer wieder Trends und Themen, die über eine gewisse Zeit die Diskussionen dominieren, nur um später von einer neuen «Sorge Nummer eins» abgelöst zu werden. Wenn etwa die Verschuldung von Staaten auf den Radarschirm gerät, entsteht häufig eine Eigendynamik. So hat Belgien seit Jahrzehnten eine hohe Staatsverschuldung. Lange hat das die Finanzmärkte kaum interessiert nun ändert sich das.

Nicht zuletzt, weil alle Marktteilnehmer möglichst früh neue Trends aufspüren wollen, kann es leicht zu Überreaktionen kommen. Institutionelle Anleger und auch Anlagefonds, deren Manager an Benchmarks gemessen werden, zeigen zudem häufig eine Scheu, von der Mehrheitsmeinung abzuweichen. Wenn sie damit falsch liegen, werden sie weniger abgestraft als mit einer Minderheitsmeinung. Ein Gegengewicht geben Hedge-Funds und andere Anleger, die sich aufgrund ihres Kundenprofils eine abweichende Meinung leisten können, beispielsweise wenn «der Markt» mit seiner oft fragilen Anleger-Psychologie ein Thema überreizt hat.

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